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Integrierte Präventionsprogramme bei Rückenleiden

Rückenschmerzen haben in mehrfacher Hinsicht eine besondere Public-Health Relevanz: sie haben eine hohe Prävalenz (Rückenschmerzen betreffen im Verlauf eines Jahres 62 % der Frauen und 56 % der Männer. s. GBE-Bericht des RKI Heft 7), sie stellen die häufigste Form von chronischen Schmerzen dar, gehen mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität einher und verursachen hohe direkte und indirekte Kosten.

Die volkswirtschaftlichen Belastungen für Behandlung, Rehabilitation, Arbeitsausfälle und frühzeitige Berentung werden auf über 15, 3 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt (s. Broschüre „chronischer Schmerz“ bmbf, 2001).

Nach heutiger Erkenntnis werden die höchsten Kosten jedoch nicht durch spezifische Rückenschmerzprobleme, sondern durch den sogenannten nicht-spezifischen Rückenschmerz verursacht. Damit gemeint sind Rückenschmerzen, die ohne erkennbare anatomische oder neurophysiologisch Ursachen auftreten. Gerade bei den unspezifischen Rückenschmerzen sind psychosoziale Faktoren entscheidend für die Chronifizierung der Schmerzen. Die Lebensqualität von Schmerzpatienten mit chronischem Rückenschmerz ist erheblich beeinträchtigt. Als besonders gravierend gelten auch die psychosozialen Folgen (z.B. Vereinsamung, Depression) von denen diese Menschen und ihre Angehörigen zusätzlich betroffen sind.

Defizite finden sich im Bereich der Prävention sowie bei der Behandlung des Rückenschmerzes.

Nach neueren Erkenntnissen können ein Drittel aller krankheitsbedingten Fehltage durch betriebliche Maßnahmen beeinflusst werden. Mit einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 14,6 Tagen je Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer ergaben sich im Jahr 2001 insgesamt 508,57 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Die hieraus resultierenden volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle wurden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf etwa 44,76 Milliarden Euro geschätzt (Quelle: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2001).

Das von uns entwickelte und in Zusammenarbeit mit der im Präventionsbereich tätigen Institution prevent conept durchgeführte Programm umfasst folgende Elemente:

  • Risikostratifizierung
  • Clusterbildung
  • Durchführung des Programms neben der Arbeit
  • Evaluation
  • Fortführung des Programms als Erhaltungstraining

Das Programm im Einzelnen

Risikostratifizierung

Es werden die für den Rückenschmerz typischen Risikofaktoren auf bio-psycho-sozialer Ebene mit geeigneten Instrumentarien identifiziert und bewertet.

Hier zu zählen

auf biologischer Ebene

  • Vorangegangene Rückenschmerzepisoden
  • Vorangegangene Bandscheibenoperationen
  • Wirbelsäulenfehlformen
  • Verletzungen der Wirbelsäule u.v.m

auf psychischer Ebene:

  • Distress
  • Depressivität
  • gestörte individuellen Schmerzverarbeitung
  • Fear-Avoidance-Beliefs z.B. Vermeidungsverhalten
  • übertriebene Durchhaltestrategie
  • Gestörte Kommunikation von Schmerzen

auf sozialer Ebene

  • AU länger als 4 Monate
  • niedriger Sozialstatus/Berufsqualifikation
  • geringe Arbeitszufriedenheit

Als Instrumente hierzu seien exemplarisch genannt :

Erfassung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch

  • Analyse von Kraft und Ausdauer
  • Analyse von Bewegungsmustern
  • Identifikation gestörter Bewegungsabläufe
  • Bestimmung des Muskeltonus und Identifikation gestörter Muskelspannungen mittel Oberflächen-EMG
  • Bestimmung des BMI
  • Bestimmung von Fett-Muskel-Wasser-Verteilung mittels bioelektrischer Impedanzanalyse
  • Ggf. Analyse und Einordnung nach den Kriterien der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)
  • Ggf. Knochendichtemessung mittels DXA-Verfahren
  • Ggf. Lungenfunktionsprüfung
  • Ggf. Bewertung der Leistungsfähigkeit von Herz und Kreislauf

Durch geeignete Instrumentarien sollen eingeschätzt werden:

  • Risiko bezüglich einer möglichen Chronifizierung von Rückenschmerzen,
  • Beurteilung der Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität,
  • Bewertung möglicher Depressivität
  • Evtl. vorhandene schmerzbedingter Beeinträchtigung
  • Schul-/Berufsausbildung, derzeitige Arbeitssituation und Rentenstatus; privater sozialer Status
  • Fear-Avoidance-Beliefs
  • evtl. schon eingetretene Schmerzchronifizierung und die Schwere der Schmerzerkrankung

Die Einbindung standardisierter psychometrischer Tests erlaubt einen Vergleich mit Normalpopulationen und die Einordnung in unterschiedliche Risikogruppen.

Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse wird eine Einordnung Gruppen mit unterschiedlichem Präventionsbedarf vorgenommen:

Die im Folgenden genannten Programmelemente kommen bei den unterschiedlichen Gruppierungen der Teilnehmer in unterschiedlicher Gewichtung und Intensität zur Anwendung.

Edukation

  • Anatomie, Physiologie des Bewegungsapparats,
  • Erläuterung Schmerzentstehung und -verarbeitung,
  • Erklärung des bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells
  • Besprechung sozio-ökonomisch relevanter Fakten

Körperliches Trainingsprogramm

  • Kraft- und Ausdauertraining
  • work hardening
  • Verbesserung von Bewegungsmustern
  • Haltungskorrektur
  • Erlernen von Entspannungsmethoden und entsprechende Übungen
  • Bio-feed-back

Gruppenprogramme

  • Kognitiv-verhaltenspräventive Gruppensitzungen
  • Arbeitstraining / Simulation der arbeitsplatzspezifischen Belastungen an einem typischen Bildschirmarbeitsplatz
  • Ernährungsberatung
  • Raucherentwöhnung
  • Ggf. Qi-Gong
  • Ggf. Lach-Yoga
  • Gruppendynamische Elemente wie Sport und Spiel
  • Ausflüge

Fortführung des Programms als Erhaltungstraining

Durchführung des Programms

Das Programm soll idealer Weise neben der Arbeit absolviert werden.